Glocken

Glockengeläut Kirche Arisdorf

Wie die Glocken läuten...

Einst brauchte es dreier kräftiger Männer, um die Arisdörfer Kirchenglocken in Schwingung zu versetzen. Heute sind es strombetriebene Motoren und ein Hightech-Steuergerät aus dem Emmental. Es bedarf dreier kräftiger Männer, um die Kirchenglocken von Arisdorf zum Schlagen zu bringen. An langen Seilen, die durch runde Löcher in der Holzdecke reichen, ziehen sie, auf und ab, auf und ab. So war es, bis die Manneskraft durch Elektromotor und Antriebstechnik ersetzt wurde. Gemeinderat Markus Miescher, in seiner Funktion für das Geläut des Dorfes verantwortlich, kann sich aber noch daran erinnern, wie Männer an den Seilen hingen. Heute funktioniert selbst etwas Althergebrachtes wie Kirchenglocken nicht mehr ohne Strom. Hinter jedem Glockenschlag und jedem Läuten steckt moderne Technik, kombiniert mit filigraner Mechanik. Markus Miescher zeigt sie uns an diesem kühlen, nebligen Samstagmorgen. Er kennt den Weg hinauf in den Kirchturm ganz genau. Schon oft warer hier oben. Treppen führen in den Dachstuhl, eine weitere in das erste Turmgeschoss. Hier befinden sich die Antriebsmotoren. Über dünne Metallstangen sind sie mit den Hämmern verbunden, die jede Viertelstunde die Zeit schlagen. Ihre Justierung ist millimetergenau. Einer der Antriebe wurde erst vergangenen Dezember ausgetauscht. Empfangen sie ihren einprogrammierten Befehl, heben sie den Hammer an, er fällt auf die Glocke, ein Schlag ertönt. Beim Geläut wird hingegen das Glockenjoch mit einem starken Motor in Schwingung versetzt, hin und her, hin und her. Bewegt sich die Glocke, 5x schlägt der Klöppel gegen die Glockenwand; die Glocken läuten. Und die läuten nicht einfach nur so: Arisdorfs Kirche, 1595 erbaut, erhielt 1849 das erste dreistimmige Geläut des Kantons Basellandschaft. An der Mauer über den Antriebsaggregaten eine Etage tiefer hängt ein Kasten, darin die Relais, die die Motoren kontrollieren, zig bunte Kabel verbinden hier die Hämmer mit Strom, Antrieb und Motor. Und in der Ecke leuchtet ein rotes Licht; es ist die Antenne, die die Funksignale für die Kirchenuhr empfangen. Es ist noch nicht allzu lange her, da bemass ein Uhrwerk die Arisdörfer Zeit. Das alte Uhrwerk ist noch an Ort und Stelle, Zahnräder greifen ineinander, alles gut geschmiert, doch angeschlossen ist es nicht mehr. Die Gemeinde will es aufarbeiten lassen, danach soll es im Dorf aus-estellt werden. Den geeigneten Ort dafür hat man allerdings noch nicht gefunden. Das Uhrwerk hat früher übrigens die Glocken angetrieben, heute laufen die beiden System komplett unabhängig voneinander. Die Aussicht ist atemberaubend, doch dafür ist Markus Miescher nicht gekommen. Vom ersten Turmgeschoss, wo sich die Antriebstechnik der Hämmer befinden, geht es über eine wacklige Holzleiter durch ein enges Loch in der Decke. Gewandt klettert er voraus. Oben wartet der Glockenstuhl. Massives Holz und blankes Gestein umschliessen hier die vier Glocken, die grosse, die zwei kleinen, schliesslich die kleinste, die Taufglocke, die vor genau zehn Jahren von Privatleuten gestiftet wurde. Wer versehentlich während des Kirchengeläuts hier oben ist, der wird für 13 Minuten zum Gefangenen, denn die schwingende Glocke aus Bronze versperrt den Rückweg. Und die Lautstärke ist allumfassend. Nur die Mauersegler, die jeden Sommer hier oben nisten, scheint das nicht zu stören. Sigristin Martina Jüngling, die in der Kirche alternierend mit Kollegin Doris Tschirky zum Rechten schaut, dreht den Schlüssel zum «Kommandoraum» im Parterre. Unscheinbar im Schrank der Sakristei neben dem Eingang befinden sich die beiden Steuergeräte für die Glocken in einem Wandschrank, an der Schranktür hängen die Codes für die einzelnen Geläute, das Neujahrs- oder das Weihnachtsläuten. Jeder Viertelstundenschlag, das Geläut zur vollen Stunde, das Kirchengeläut, das samstagabends zum Sonntag und sonntagmorgens zum Gottesdienst schlägt: Das alles ist hier programmiert und läuft vollautomatisch. Selbst ein Stromausfall könnte ihm nichts anhaben: das System hängt zusätzlich an einer Batterie. Auch die Abfolge der einzelnen Schläge für die Geläute zu Hochzeiten oder Beerdigungen sind programmiert, ihr Einsatzbefehl erfolgt von Hand. Hinter der Technik steckt die Muribaer AG, führend punkto Kirchentechnik. Die im luzernischen Büron beheimatete Firma sorgt in der ganzen Schweiz dafür, dass die Kirchenglocken pünktlichläuten. (2010, lh)

 

Aus dem Jahr 1849 ersten harmonischen Geläute (dreistimmig) im Baselland:

Glockengeläut

Taufglöckli