Kleine Käfer

Kleine ‘Käfer’

Sie sind fast überall.

Sie verstecken sich in Läden, in Büros, am Frühstückstisch zuhause, in Konzerthallen, in Kirchen, sie geistern durch die Teppichetagen grosser Konzerne, sie sind in Hinterhöfen und auf Spielplätzen, an Fliessbändern, in Suppenküchen. Sie besiedeln kleine süsse Kirchendamen und fiese Drogenbosse.

Sie sind nur darauf aus, dem Menschengeschlecht den Tag zu vermiesen. Sie fordern immens viele Opfer – schon immer - seit es Menschen gibt und SIE die Menschen besiedeln können. Man wird sie fast nicht los, denn sie vermehren sich zunächst unbemerkt in ihrem Wirt.

Nach einem Tag unterwegs, oder nur nach einem Kontakt mit ihnen habe ich das Gefühl die Hände waschen zu müssen oder gar gleich heiss zu duschen. Bis ich merke:  ‚Ohje - ich habe sie ja auch! Duschen hilft vielleicht gar nicht!“

Oh Schreck!

Natürlich rede ich von den geistigen und geistlichen Viren.

Wie zum Beispiel Gleichgültigkeit. Bequemlichkeit gehört auch dazu. Egoismus, Ignoranz, Neid, Eifersucht, Selbstsucht, Intoleranz, Raffsucht, Territoriales Denken oder auch Gier, Masslosigkeit, Überheblichkeit, Narzissmus, Selbstgerechtigkeit oder Verleumdung. Ach, und Apathie und Feigheit gehört auch dazu. Habe ich was vergessen?

Dies sind die Geisseln der Menschen. Wegen ihnen stirbt täglich Mensch, Tier und Natur zu Hauf.

Doch das ist so schön weit weg. Nur wenn es echt anfängt weh zu tun, kommen wir wohl in die Gänge. Da braucht es mehr als Schlagzeilen. Wenn die Insekten verschwinden, kratzt uns das noch nicht so richtig. Die sind ja so klein und man sieht sie kaum. Ausserdem hat China genug Menschen die von Hand die Pflanzen bestäuben können. Aber falls mal Nahrungsmittelengpässe bei uns ankommen, oder in den Läden nur noch Gemüse von genanipuliertem Saatgut erhältlich ist, das nur unter Einsatz von Pestiziden aufwachsen kann und so weiterhin Land und Leute vergiftet, dann werden wir vielleicht hellhörig. Vielleicht. Aber auch die vergifteten Böden sind weit weg. Irgendwo ‚da unten‘ von wo jetzt all die Leute herkommen die auf Lesbos stranden.

Wenn der Coronavirus durch ist, sind die anderen ‚Käfer‘ wohl immer noch da.

Jesu Leute hatte sich vor dem Essen die Hände nicht gewaschen und wurden flugs von den Selbstgerechten in die Mangel genommen. Jesus sagte darauf hin, dass nicht was in den Menschen hineingege ihn unrein mache, sondern was aus ‚ihm‘ herauskomme. Jesus war wohl einer der ersten Epidemiologen der die geistlichen Viren in’s Visier nahm.

Pfarrerin Sonja Wieland